Chronik – Jüngste Vergangenheit und Ende: 1960 – 2001

1960

Winfried Feldmann übernimmt die Leitung der Kronenbrauerei.

1971

Es entsteht eine Kooperation mit der Holsten-Gruppe: Holsten Edel wird in Lüneburg gebraut.

1974

Dr. Johannes Eisenbeiss bringt eine maßgebliche Beteiligung an der Lüneburger Kronen-Brauerei AG in die Hamburger Holsten-Brauerei AG ein.

Dr. Johannes Eisenbeiss. Quelle: Archiv der Landeszeitung Lüneburg

Dr. Johannes Eisenbeiss. Quelle: Archiv der Landeszeitung Lüneburg

1975

Die Lüneburger Kronen-Brauerei AG wird in die Holsten-Gruppe eingegliedert. Außerdem wird die Produktion von Moravia Pils nach Lüneburg verlagert. Dieses Bier erlangte durch die Bill-Brauerei einen hohen Bekanntheitsgrad. Nachdem diese Brauerei von Holsten übernommen und geschlossen wurde, wird das Premiumbier Moravia Pils als Zugpferd der Lüneburger Kronen-Brauerei platziert. Immer häufiger spricht man auch von der Moravia-Brauerei.

1977

Die Lizenzproduktion von Holsten Edel im Hause der Lüneburger Kronenbrauerei wird eingestellt, um Kapazitäten für Moravia zu schaffen-

1980

Am 09.05.1980 erfolgt die Grundsteinlegung für das neue Gebäude der Lüneburger Kronen-Brauerei in der Gebrüder-Heyn-Straße im Lüneburger Hafen.

1981-1982

Die Kronenbrauerei mit dem Flaggschiff Moravia-Pils zieht von der Heiligengeiststraße 41 in einen großen Neubau in der Gebrüder-Heyn-Straße 8 im Hafen Lüneburg. Damit ist die Lüneburger Kronen-Brauerei AG die modernste Braustätte Norddeutschlands. Die Gebäude existieren noch heute, werden aber nicht mehr als Brauerei genutzt.

Die neue Braustätte der Lüneburger Kronen-Brauerei in der Gebrüder-Heyn-Straße im Industriegebiet Hafen. Quelle: Buch: „Salz und Malz“ von Helmut C. Pless

Die Historischen Brauereigebäude in der Heilligengeiststraße 43 werden teilweise abgerissen. Das Sudhaus dient bis heute dem Lüneburger Brauereimuseum als Unterkunft und im Brauereigasthaus „Krone“ wird bis heute die Tradition der Lüneburger Kronen-Brauerei gepflegt. ein anderer Teil der Fläche dient bis heute dem Ostpreußischem Landesmuseum.

1985

Die Lüneburger Kronenbrauerei feiert ihr 500-jähriges Bestehen.

1987

Die Lüneburger Kronenbrauerei kreiert für ihr Pilsener ein neues Logo. Außerdem wird das Bier zukünftig in Steinie-Flaschen mit Bügelverschluss in blauen Kästen vertrieben. Die Flensburger Brauereien Emil Petersen GmbH & Co. KG erwirken dagegen eine einstweilige Verfügung, da eine Verwechslungsgefahr mit dem ähnlich gestalteten Flensburger Pilsener bestehen könnte. Deshalb darf das so gestaltete Lüneburger Pilsener weder in Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachens, noch in Berlin vertrieben werden. Die Lüneburger Kronenbrauerei möchte ihrerseits juristische Schritte einleiten und unterliegt, weshalb das Design der Flaschenetiketten geändert werden musste.

Links die ursprüngliche Version, welche den Flaschen der Flensburger Brauerei zu sehr ähnelte, rechts die bekannte überarbeitete Variante

2000

Im Dezember wird bekannt, dass die Holsten-Brauerei plant, die Lüneburger Kronen-Brauerei und damit den Standort Lüneburg zu schließen. In der „Landeszeitung“ folgt eine ausgiebige Berichterstattung über diese Pläne. Auch kommen in der Zeitung viele empörte Lüneburger zu Wort, welche die bevorstehende Schließung des traditionsreichen Brauhauses bedauern. Die Zukunft des Lüneburger Pilseners „LüPi“ und Moravia Pils ist ungewiss.

Die Zeitung schreibt: „Für Kenner des Biermarktes kommt der Schritt nicht überraschend. Ein regionaler Getränkegroßhändler, der lieber unerwähnt bleibt, sagt: ‚Moravia und LüPi sind regionale Marken. Die Brauerei bewirbt sie kaum noch. Die setzt auf Holsten. […] Die Kundschaft trinkt Fernsehbiere, für die geworben wird.'“

Diese These wird im Nachhinein durch das Archiv der „Landeszeitung“ gestützt. Sucht man dort nach „Moravia“, dem Zugpferd der Lüneburger Kronen-Brauerei (die Suche erfasst auch Werbetext), erkennt man einen starken Anstieg Mitte der 70er, als die Produktion dieses Bieres in Lüneburg aufgenommen wurde. Zum Anfang der 90er Jahre ebbt die Kuve stark ab und hält sich auf einem konstant niedrigem Niveau, bis sie in den Jahren 2000 und 2001 durch die Berichterstattung über die Schließung der Brauerei wieder ansteigt.

Quelle: Archiv der "Landeszeitung"

Diese Interpretation wird durch eine Suchanfrage nach dem Schlagwort „Kronenbrauerei belegt:

Quelle: Archiv der Landeszeitung Lüneburg

Quelle: Archiv der Landeszeitung Lüneburg

2001

Die Lüneburger Kronen-Brauerei AG wird geschlossen. Lüneburger Pilsener und Moravia Pils werden zukünftig in Hamburg bei Holsten gebraut. Laut Holsten wurden die Kapazitäten der neuen Brauerei nicht annähernd ausgereizt. Statt möglicher 600.000 Hektoliter pro Jahr, seien lediglich 60.000 Hekoliter, also ein Zehntel produziert worden. Die beiden Lüneburger Biere können quasi nebenbei von Holsten „mitgebraut“ werden. In diesem Zuge wird das beliebte Lüneburger Pilsener nicht mehr in Flaschen angeboten – es ist nur noch von Fass erhältlich. Auch eine Unterschriftensammlung und die Leseraktion der „Landeszeitung“ konnten die Brauerei nicht vor der Schließung bewahren.

Quelle: Archiv von www.landeszeitung.de

Quelle: Archiv von www.landeszeitung.de

2002

Die Anlagen der Kronenbrauerei werden abgebaut. Gärtanks und Maischebottiche wurden an die türkische Efes-Brauerei verkauft.

2011

 Mit modernisiertem Logo ist das beliebte Lüneburger Pilsener wieder in Flaschen erhältlich. Es wird weiterhin in Hamburg gebraut und die Steinie-Flasche mit Bügelverschuss wurde durch eine Longneck-Flasche mit Kronkorken ersetzt.

30.04.2016

In der „Lünepost“ wird verkündet, dass Lüneburger Pilsener ab sofort nicht mehr in Flaschen abgefüllt, sondern, wie seit der Schließung der Lüneburger Kronenbrauerei,im Jahr 2001 bis März 2011, nur noch in Fässern erhältlich ist. Ab jetzt muss man für ein kühles „Lüpi“ wieder in die Kneipe gehen. Und wieder hat der Konsum von „Fernsehbieren“ eine lokale Marke geschwächt.